Jemand kommt aus einem langen Urlaub nach Hause und findet sein Haus wohl geordnet und wunderbar vor. Es ist neu möbliert und mit allen nur erdenklichen Details ausgestattet, so dass keine Wünsche offen bleiben. Jeder Mensch, dem so etwas widerfahren würde, würde erstaunt und beeindruckt reagieren. Dann würde er sich fragen, wem er diese Überraschung zu verdanken hätte. Sicherlich würde er im Angesicht solch einer Überraschung nicht unbeeindruckt bleiben. Er würde wohl kaum sagen „wie auch immer das passiert sein mag, das geht mich nichts an.“ Er würde nicht denken, dass alles aus Zufall entstanden ist, die Gegenstände ganz von selber ins Haus spaziert sind und sich von selber angeordnet haben. Denn für all das bedarf es eines bestimmten Verstandes, Bewusstseins und Macht. Daher ist es offensichtlich, dass jemand existieren muss, der alles durchdacht und bewusst angeordnet hat.
Unser Beispiel lässt sich auf das gesamte Universum, unsere Erde und alles was existiert, egal ob belebt oder unbelebt, übertragen. Das Universum ist ein höchst komplexes Systemen und vom menschlichen Körper bis zum Himmel, von der Luft bis zum Meeresgrund stehen alle Existenzen und Ereignisse in einem empfindlichen Gleichgewicht. Jeder mit Verstand gesegnete Mensch wird erkennen, dass diese komplexen Systeme und das empfindliche Gleichgewicht das Werk einer erhabenen Macht und Verstandes sind, dass Gott all dieses erschaffen hat.
Alles was ein Mensch mit Bewusstsein in seiner Umgebung wahrnimmt, wird er als einen der unzähligen Beweise betrachten, durch die er Gott erkennt. Die bunten Blumen, die aus der schlammigen Erde sprießen und freundlich duften, das köstliche Obst und Gemüse, die Sinnesorgane, dank derer wir dies wahrnehmen können, der menschliche Körper, in dessen inneren komplexe Systeme perfekt und in Harmonie zueinander arbeiten, die Sonne, die unsere Erde erwärmt und dabei genau die richtige Entfernung und die richtige Größe hat, der Regen, der die trockene Erde belebt und all die unzähligen weiteren Beispiele sind weitere Beweise…
Jedes einzelne davon ist für sich genommen ein „Gottesbeweis.“ Also als Wunder erschaffene Tatsachen, welche den Menschen näher hin zum Glauben führen und den Glauben stärken. Durch Reflexion über diese Beweise kann jedes gewissenhafte Wesen die Existenz und Größe Gottes erkennen und glauben. Dank der Gottesbeweise fühlt sich der Gläubige Gott näher und der Glaube, die Liebe und die Angst, die er Ihm gegenüber empfindet werden gestärkt.
Doch die meisten Menschen bemerken aufgrund der materiellen Suggestionen, denen sie von Kindesbeinen an ausgesetzt sind, die Gottesbeweise nicht mehr oder nehmen sie nur schwer wahr. Die materialistischen Suggestionen besagen, dass alles durch Zufall, natürliche Bedingungen und Glück entstanden sei und verhindern so, dass der Mensch die Wunder, die überall und offensichtlich zu sehen sind, bemerkt. Diese Tatsache wird quasi verschleiert. Die meisten Menschen sagen bei der Betrachtung der Gottesbeweise „wie schön“ statt „wie herrlich hat Gott dies erschaffen“, verhalten sich also sorglos. Das Ziel dieses Buches ist es, den Vorhang, der den Blick des Menschen verschleiert, aufzuziehen. Daher wurden die Wunder, die überall im Universum zu beobachten sind, erforscht damit sie mitsamt ihrer Bedeutung an die Menschheit weitergegeben werden. Gleichzeitig bietet dieses Buch Einblick in die Sichtweise einiger Islamgelehrter in Bezug auf Gottesbeweise und einige Beispiele. Außerdem werden wir erfahren, wie die Glaubensbeweise eine sinnvolle Lösung darstellen, wenn am Tag des Jüngsten Gerichts Atheisten und Ungläubige sowie die eitle Lehre der Evolutionstheorie verdammt werden.
KAPITEL 1:
GOTTESBEWEISE IM QURAN
Das Thema der „Gottesbeweise“ oder „Tatsachen des Glaubens“ soll die Menschen zum Glauben lenken und umfasst alle Tatsachen, Informationen und Beweise über die Fähigkeiten, Wissenschaft und Kunst Gottes, die Seine Existenz und Einheit beweisen. Den Begriff „Gottesbeweise" kann man zusammenfassen als „Wahrheiten, die zum Glauben führen, zum Glauben veranlassen und gleichzeitig den Glauben stärken, erweitern und konkretisieren".
Die Menschen können Gott in Person nicht sehen. Doch sie können Seine Existenz, Seine Macht und einige Seiner Eigenschaften erkennen, indem sie Seine Schöpfung betrachten. So wie man an jedem Bild seinen Maler erkennt, weist uns jede beseelte oder unbeseelte Existenz auf Gott, seinen Schöpfer hin. Der Mensch muss darüber nachdenken und die Beweise der Schöpfung bezeugen. Denn Gott hat im Quran die verschiedensten Lebewesen, wie das Kamel, die Mücke, die Biene oder die Spinne, die Pflanzen, Bäume, Berge, Orte und Himmel als einzelne Gottesbeweise, also als Beispiele für die Wunder der Schöpfung, aufgezeigt. Einige Beispiele für Quranverse, die die Aufmerksamkeit auf die Gottesbeweise lenken:
Betrachten sie denn nicht die Kamelen, wie sie erschaffen wurden, und den Himmel, wie er erhöht worden ist,und die Bergen, wie sie aufgerichtet worden sind, und die Erde, wie sie ausgebreitet wurde? (Sure al-Ghadschiya, 17-20)
Siehe, Gott scheut sich nicht, ein Gleichnis mit einer Mücke zu machen oder von etwas noch geringerem; denn die Gläubigen wissen, dass es die Wahrheit von ihrem Herrn ist. Die Ungläubigen aber sprechen: "Was will Gott mit diesem Gleichnis?" Viele führt Er hierdurch irre, und viele leitet Er hierdurch recht; doch irre führt Er nur die Frevler. (Sure al-Baqara, 26)
Und dein Herr lehrte die Biene: "Baue dir Wohnungen in den Bergen, in den Bäumen und in dem, was sie (dafür) erbauen. Dann iss von allen Früchten und ziehe leichthin auf den Wegen deines Herrn." Aus ihren Leibern kommt ein Trank von unterschiedlicher Farbe, der eine Arznei für die Menschen ist. Darin ist wahrlich ein Zeichen für Menschen, die nachdenken. (Sure an-Nahl, 68-69)
Er ist es, Der die Sonne zu einer Leuchte und den Mond zu einem Licht gemacht und ihm Stationen zugewiesen hat, damit ihr die Anzahl der Jahre und die Berechnung (der Zeit) kennt. Und Gott hat all dies ganz und gar in Wahrheit erschaffen. Er macht die Zeichen für ein verständiges Volk klar. Im Wechsel der Nacht und des Tages und in allem, was Gott in den Himmeln und auf der Erde erschaffen hat, sind wahrlich Zeichen für gottesfürchtige Leute. (Sure Yunus, 5-6)
Die in den Quranversen hervorgehobenen Gottesbeweise sind wichtige Gründe für jeden Menschen, der gewissenhaft darüber nachdenkt, die Existenz Gottes zu erkennen und sich Ihm anzunähern.
Doch natürlich sind die Gottesbeweise nicht auf diese Verse des Quran beschränkt. Alles was wir in unserer Umgebung sehen – oder auch nicht sehen – birgt für einen Menschen der mit Verstand und Wissen seine Umwelt betrachtet, einen Gottesbeweis. Die Ameise im Garten, die Blume auf dem Tisch, die Katze, der Hund oder der Vogel im Haus und auf der Straße, unser Körper, die Ordnung des Himmels und der Erde, der Regen, die Atmosphäre, die uns umgibt und uns vor den schädlichen Strahlen aus dem All beschützt und vieles weitere dient für einen Menschen, der Gott erkennen möchte, als Beweis für Seine Existenz. Ein riesiger Stern kann ebenso ein Glaubensbeweis sein, wie auch irgendein Körperorgan zum Glauben führen kann.
Für einen gläubigen Muslim ist es eine große Verantwortung, alles was er sein Leben über sieht oder hört, als Beweis für Gott zu erkennen und darüber nachzudenken. Jeder gewissenhafte Mensch ist sich dessen bewusst. Doch die Abermillionen Kreaturen, die Gott erschaffen hat und die den Himmel und die Erde bevölkern, können dies nicht bedenken und leben in Sorglosigkeit, weil sie keine Rechenschaft über ihr Verhalten abgeben können.
Der Quran lenkt die Aufmerksamkeit auf
die Bedeutung der Gottesbeweise
Der Quran sagt deutlich, dass der Zweck des Menschen, der von Gott erschaffen wurde, darin liegt, Ihn anzubeten und zu verehren. Dafür erwartet ihn nach dem Tod das ewige Leben. Außerdem ist der Mensch dazu aufgerufen, anhand der „Beweise“, die Zeugnis über die Wahrheit abgeben, intensiv zu reflexieren. Im Quran werden Ereignisse und Wahrheiten, die eindeutig die Existenz und Einheit Gottes bestätigen, als „Gottesbeweise“ bezeichnet. So wie die Gottesweise im Quran niedergeschrieben sind, gibt es sie auch in der Außenwelt sowie im Inneren eines jeden Menschen. Diese Wahrheit wird im Quran mit den Worten „Auf der Erde sind fürwahr Zeichen für die im Glauben Festen. Und auch in euch selber Und auch in euch selber - seht ihr (sie) denn nicht?” (Sure adh-Dhariyat, 20-21) beschrieben. Dieselbe Wahrheit wird in anderen Versen folgendermaßen ausgedrückt:
Wir werden ihnen Unsere Zeichen überall auf Erden und in ihnen selbst zeigen, bis ihnen deutlich wird, dass dies die Wahrheit ist. Genügt es denn nicht, dass dein Herr Zeuge aller Dinge ist? (Sure Fussilat, 53)
In den Himmeln und auf der Erde gibt es fürwahr Beweise für die Gläubigen. (Sure al-Dschathiya, 3)
Zu Seinen Zeichen gehört auch die Schöpfung der Himmel und der Erde und aller Lebewesen, die Er in beiden verteilt hat… (Sure asch-Schura, 29)
Es zeigt sich also, dass die Beweise für Gottes Existenz und endlose Macht nicht nur im Quran, sondern überall deutlich sichtbar sind. Ein Vogel, der an der Scheibe nistet, eine Blume im Garten oder auch ein Stern am Himmel: Alles, was wir irgendwann in unserem Leben erblicken sind „Nachrichten“, die der Allmächtige uns sendet, damit wir sie "lesen". Daher gleicht alles, was wir betrachten, einschließlich einer Blume, einem Brief. Denjenigen, die es verstehen diesen zu lesen, sendet unser Schöpfer darin eine Nachricht.
Gleichzeitig haben einige Gottesbeweise die Funktion, den Menschen den Anspruch des Quran zu belegen. Denn viele der vor 1400 Jahren beschriebenen Glaubensbeweise, wie die Entwicklung des Universums aus dem Nichts, wie sich Himmel und Erde voneinander entfernten, die Umlaufbahn der Himmelskörper, dass die Erde rund ist, dass der Himmel die Funktion einer Schutzschicht hat, die Schichten der Atmosphäre, die Entstehung des Regens, der Wind und wie sich die Meere vermischen, konnten erst im vergangenen Jahrhundert dank der Wissenschaft Schritt für Schritt gelöst werden. Die Tatsache, dass keine der Wahrheiten, die im Quran geoffenbart wurden, zu dieser Zeit dem Menschen bekannt waren, stellt einen weiteren Beweis dar, dass es sich beim Quran um das Wort Gottes handelt.
Um den Gottesglauben zu vertiefen:
Nachdenken und Wissen erwerben…
Ein gewissenhafter Mensch weiß, dass alles in seiner Umgebung ein Beweis für den Glauben ist. Er ist sich bewusst, dass eine Möwe, die um Beute zu fassen ins Meer taucht, eine kleine Ameise, die auf dem Boden läuft, ein Apfelbaum, der jährlich kiloweise Früchte abgibt, die Wolken, die trotz ihres tonnenschweren Gewichts am Himmel stehen und einfach alles, was er in seiner Umgebung wahrnehmen kann, ein Beweis für die Existenz Gottes ist.
Doch in den Versen des Quran ist noch die Rede von zwei weiteren wichtigen Besonderheiten, um die Tiefe der Gottesbeweise zu sehen und zu verstehen: Denken und Wissen erwerben…
Im Quran lädt Gott den Menschen dazu ein, beständig über die Hinweise, die am Himmel, auf Erden und allem was dazwischen liegt, zu sehen sind, also die Gottesbeweise, nachzudenken.
Siehe, in der Schöpfung der Himmel und der Erde und in dem Wechsel der Nacht und des Tages und in den Schiffen, welche das Meer durcheilen mit dem, was den Menschen nützt, und in dem was Gott vom Himmel an Wasser niedersendet, womit Er die Erde nach ihrem Tode belebt, und was Er an allerlei Getier auf ihr verbreitet, und in dem Wechsel der Winde und der Wolken, die dem Himmel und der Erde dienen wahrlich, in all dem sind Zeichen für Leute von Verstand! (Sure al-Baqara,164)
Gott möchte, dass wir über die Schöpfung nachdenken und uns darin Rat suchen und ein Beispiel nehmen. Alle belebten und unbelebten Existenzen in unserer Umgebung wurden erschaffen, um uns die erhabene Schöpfungskraft, Kunst und Wissenschaft Gottes begreiflich zu machen. Wie in dem Vers bestätigt, wurde nicht eines davon ohne Grund erschaffen. Sie nicht zu beachten oder darüber nachzudenken, käme sich von den Wahrheiten Gottes abzuwenden gleich und jeder gläubige Muslim muss sich davor hüten. Denn an verschiedenen Stellen betont der Quran, dass Gott Rache nimmt an all jenen, die sich von Seiner Wahrheit und den Beweisen abwenden.
In vielen Versen wird betont wie wichtig es ist, dass der Mensch beständig über die Gottesbeweise, die im Verborgenen oder in seiner Nähe aufblitzen, nachdenkt. In einem Vers beispielsweise ist davon die Rede, dass der Gläubige lange über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken soll:
Siehe, in der Schöpfung von Himmeln und Erde und in dem Wechsel von Nacht und Tag sind wahrlich Zeichen für die Verständigen. Die da Gottes gedenken im Stehen und Sitzen und Liegen und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken: "Unser Herr, Du hast dies nicht umsonst erschaffen! Preis sei Dir! Bewahre uns vor der Feuerspein! (Sure Al-Imran, 190-191)
Gott hat bekräftigt, dass die Gottesbeweise für den denkenden Menschen eine tiefe Bedeutung aufweisen. Doch damit ist nicht gemeint, dass der Mensch, wie bereits erwähnt, auswendig vor sich hin beten soll „Wie hübsch hat Gott das erschaffen" oder „was für ein wunderbares Tier“. Man muss sich lange, tief und intensiv mit Gottes Schöpfung auseinandersetzen, die Weisheit und Feinheit der Schöpfung erkennen und so Zeuge werden von Gottes unendlicher Wissenschaft, Weisheit und Kunst.
Eine Art dies zu tun besteht darin, die Kreaturen und Ereignisse in der Umgebung zu hinterfragen und zu vergleichen. In einem Vers lehrt Gott ein Beispiel für diese Art des Nachdenkens:
Betrachtet ihr wohl das Wasser, das ihr trinkt? Lasst ihr es aus den Wolken herabkommen oder lassen Wir es herabkommen? Wenn Wir wollten, machten Wir es bitter. Warum also dankt ihr nicht? (Sure al-Waqi’a, 68-70)
Wasser ist ein Segen, der auf der ganzen Welt überall leicht zu erhalten ist. Die meisten Menschen denken über das Wasser, das sie ihr Leben lang täglich trinken, oft nicht ein einziges Mal nach. Sie betrachten es als normal und natürlich, dass es Wasser gibt und es genau so beschaffen ist, dass es unsere Bedürfnisse befriedigt. Sie meinen, dass man nicht darüber nachdenken müsse. Doch wie es in den oben genannten Versen erläutert ist, hätte Gott dem Wasser ganz andere physikalische oder chemische Eigenschaften verleihen können, oder auch die Struktur der Atmosphäre oder die Temperatur anders gestalten können. Dann gäbe es keine „Wolken“ und damit auch keine Süßwasserquellen auf der Welt. Uns bliebe dann nur das Salzwasser der Meere und kein Mensch könnte auf der Welt überleben oder nur unter erschwerten Bedingungen, da er immer eine Wasserknappheit erleben würde. Ohne Süßwasser könnte er auch keine Landwirtschaft betreiben und die Welt würde sich in eine Wüste verwandeln und daher Hungersnöte herrschen. Doch Gott hat uns die Quelle für Süßwasser gegeben und dafür gesorgt, dass es die Erde und all ihre Regionen erreicht. Im Angesicht dieser Wahrheit müssen wir Gott danken.
Doch wie wir gesehen haben, muss man das Wasser erst als einen Segen erkannt haben, um diese Dankbarkeit ehrlich nachempfinden zu können und das steht in Zusammenhang mit dem „Nachdenken“. Zweifelsohne gilt dies nicht nur für das Wasser, welches uns als Beispiel gedient hat, sondern für alles was existiert, alle Lebewesen und alle Ereignisse. Sie alle sind ein Segen der uns von Gott gespendet wurde. Aber um dies erkennen zu können, müssen wir zuerst darüber nachdenken und vergleichen „Was wäre, wenn es anders wäre“. Man muss begreifen, wie feine Maßstäbe Gott geschaffen hat. In einem anderen Vers wird erneut betont wie wichtig es ist, dass wir über die Naturereignisse nachdenken und dabei „den Verstand gebrauchen“:
Auch in dem Wechsel von Nacht und Tag und in der Versorgung, die Gott vom Himmel hinabsendet und durch die Er die Erde aus ihrer Leblosigkeit erweckt, und in dem Wechsel der Winde sind Beweise für ein Volk von Verstand. (Sure al-Dschathiya, 5)
Bei denen, die im Vers als „ein Volk von Verstand“ beschrieben werden, handelt es sich um gläubige Muslime. Denn Verstand ist ein Vorteil, den man lediglich durch Glauben erreichen kann. Die Leugner können die Wahrheit Gottes nicht erkennen, da sie nicht über die von Gott verliehenen Tugenden wie Verstand verfügen und die unzähligen Zeichen in ihrer Umgebung übersehen. Denn wer die unzähligen Zeichen in den Himmeln und auf Erden nicht erkennt und so tut, als würden sie nicht existieren, wird im Quran als Heide bezeichnet:
Und an wie vielen Zeichen in den Himmeln und auf Erden gehen sie achtlos vorüber? Und die meisten von ihnen glauben nicht an Gott, ohne Ihm (zugleich) Gefährten zur Seite zu stellen. (Sure Yusuf, 105-106)
Wissen ist die zweite Eigenschaft, die man aufweisen sollte, um das Glaubensbekenntnis vertiefen zu können. Doch hier gibt es einen wichtigen Punkt zu beachten. Es ist nicht nötig, dass man ein Thema aus allen Richtungen betrachtet und alles Wissen darüber gesammelt hat, um es als Glaubensbeweis zu betrachten. Jeder mit Verstand gesegnete Mensch begreift sofort, dass alles, was ihn umgibt, das Werk eines übergeordneten Schöpfers ist. Er weiß, wenn er einen Käfer, beispielsweise eine Libelle sieht, dass es einen Schöpfer gibt, Der sie erschaffen hat. Um dies als Gottesbeweis zu begreifen, reicht die Existenz dieser Kreatur aus. Wenn man aber über die Besonderheiten dieses Lebewesens nachdenkt, so ist dies ein Mittel, um den Glauben und die Begeisterung weiter zu steigern.
Erinnern wir uns an unser vorheriges Beispiel vom Wasser. Wir wissen, dass Wasser zum Leben notwendig ist. Doch wenn wir die grundlegenden physikalischen, chemischen und geographischen Informationen über das Wasser kennen, so begreifen wir noch besser, welch grundlegende Bedeutung das Wasser für uns hat. Wenn wir die Besonderheiten des Wassers genauer betrachten, sehen wir deutlich, dass das Wasser aufgrund seiner chemischen Eigenschaften wie Gefrierfähigkeit, Flüssigkeit und Ausdehnungsfähigkeit so geschaffen ist, dass es ideal für die Lebensumstände des Menschen ist. Auch dies ist ein Mittel, um unsere Nachdenken zu vertiefen und unsere Dankbarkeit zu steigern.
Ohne Zweifel kann ein kleines Kind genauso gut wie ein sehr gebildeter Professor die Zeichen Gottes leicht erkennen, sofern es sich gewissenhaft und ehrlich mit Gott auseinandersetzt. Doch sicherlich braucht es umfassende Informationen, wenn ein Mensch über Existenzen nachdenken möchte, die in seiner Umgebung nicht sichtbar sind. Selbst wenn es sich um etwas handeln sollte, was in der Umgebung tatsächlich sichtbar ist, muss man die Details kennen, um sich noch intensiver damit beschäftigen zu können. Anderenfalls wird das Nachdenken eine gewisse Grenze nicht überschreiten oder gar oberflächlich bleiben. So werden beispielsweise die Gedanken, die sich jemand bei der Betrachtung des Himmels macht, der keinerlei Informationen über die Systeme im Weltraum hat, anders sein, als die eines Menschen, der über ausgeprägtes Wissen in Astronomie verfügt. Oder auch jemand, der über vertieftes Wissen über den Aufbau und die Anatomie des menschlichen Körpers besitzt, wird die Wunder und Mysterien leichter bemerken, als jemand der kein Wissen auf diesem Gebiet hat. Denn Gott teilt uns in den Versen mit, dass diejenigen, die über Wissen verfügen, über den Unwissenden stehen:
Diese Gleichnisse stellen Wir zwar für die Menschen auf, doch nur die Wissenden begreifen sie. (Sure al-Ankabut, 43)
Zu Seinen Zeichen gehört auch die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenartigkeit euerer Sprachen und euerer (Haut-)Farben. Darin sind fürwahr Zeichen für die Wissenden. (Sure ar-Rum, 22)
Ist etwa der, welcher die Stunden der Nacht in Andacht verbringt, sich niederwerfend oder stehend, auf das Jenseits achtend und auf seines Herrn Barmherzigkeit hoffend, ... Sprich: "Sind etwa diejenigen, welche wissen, und jene, welche nicht wissen, einander gleich?" Nur die Verständigen lassen sich warnen. (Sure az-Zumar, 9)
Doch es sollte erneut darauf hingewiesen werden, dass bloße "Information", wenn Verstand, Gewissen und Umsicht zur richtigen Bewertung fehlen, den Menschen nicht zur Wahrheit führt. Genaue Informationen können den Menschen nur dann näher zu Gott führen und ihn erkennen lassen, wenn er gleichzeitig ehrlich und gewissenhaft ist. Daher bieten die heutige Wissenschaft und Technologie einen großen Vorteil, wenn es darum geht die Wissenschaft, Weisheit, Kunst und Detailfreude in Gottes Schöpfung näher zu begreifen.
Wissenschaftszweige wie Medizin, Biologie oder Astronomie bringen uns die Wunder und Schönheit in Gottes Schöpfung deutlich und facettenreich vor Augen. Die Zahl der Menschen, die die Informationen erfahren und als Weisheit und Schönheit Gottes bewerten und dadurch Anhänger seiner unendlichen Weisheit werden, steigt beständig an.
KAPITEL 2:
WARUM SIND GOTTESBEWEISE WICHTIG?
Gottesbeweise sind ein Mittel
um zum Glauben zu finden
Die Glaubensbeweise sind einer der wichtigsten Beweggründe, durch welche Menschen zum Glauben finden. Ein Mensch, der nicht glaubt, ist in einer tiefen Sorglosigkeit. Er kann die Beweise in seiner Umgebung nicht wahrnehmen. Er kann, weil die Gesellschaft, der er angehört, sich von der Religion entfernt hat und weil er mit den Dingen des täglichen Lebens beschäftigt ist, die unzähligen Wahrheiten in seiner Umgebung nicht erkennen. Dennoch ist es hoffenswert, dass ein solcher Mensch die endlose Wissenschaft und Weisheit Gottes erkennt und an Gottes Schöpfung glaubt, wenn man ihm die Gottesbeweise erklärt und der Mensch gleichzeitig über Gewissen und Ehrlichkeit verfügt. Die Gottesbeweise sind ein wichtiges Mittel, um Menschen, die zwar Gewissen haben, aber aufgrund der ungläubigen Versuchungen keine Kenntnis erlangt haben, zum Glauben an Gott zurückzuführen.
Da die Welt ein Ort der Prüfungen ist, wäre es ein Fehler zu erwarten, dass jeder zum Glauben gezwungen wird, den Menschen keine Wahlmöglichkeit in Bezug auf den Glauben geboten wird oder Wunder geschehen. Wenn wir beispielsweise einen Samen auf die Erde werfen und innerhalb weniger Sekunden daraus ein riesiger Baum wächst, so wird das jeder, der dabei Zeuge ist, als ein großes Wunder betrachten. Doch weil milliardenfach diese Veränderung Stück für Stück miterlebt wird, hinterlässt sie auf den ersten Blick auf den Menschen nicht den Eindruck eines Wunders.
Nehmen wir ein anderes Beispiel. Der menschliche Körper wird im Durchschnitt 60-70 Jahre alt. Nehmen wir einmal an, er würde direkt vor unseren Augen altern. Ein Neugeborenes würde innerhalb von ein paar Minuten wachsen, reifen und altern. Das würde sicherlich jeden, der dies beobachtet, zum Nachdenken verleiten. Doch beachten wir folgendes: Genau das erleben wir genau in diesem Moment. Der einzige Unterschied ist die Zeit. Dasselbe Wunder vollzieht sich genau jetzt, nur mit dem Unterschied, dass es so langsam vonstatten geht, dass man es nicht bemerkt. Für Menschen, die unaufmerksam, gewissen- und gedankenlos sind, scheint es wie eine ganz normale Tatsache. Doch eigentlich handelt es sich dabei um ein wahres Wunder. Um dieses Wunder zu bemerken, muss man gewissenhaft und ehrlich die Details rund um das Ereignis untersuchen und die schöpferische Weisheit und Feinheit dahinter erkennen.
Es gibt eine Wahrheit, die von Menschen, die in Sorglosigkeit leben, nicht erkannt wird: Der eigene Körper, alles in der Umgebung und alles im Universum ist ein erschaffenes Wunder… Der Quran ermahnt den Menschen mit folgenden Worten:
Siehst du denn nicht, dass Gott Wasser vom Himmel herabsendet und es zu Quellen durch die Erde leitet? Dann lässt Er dadurch Pflanzen in mannigfacher Farbe wachsen. Dann verwelkt es, und du siehst es gelb werden. Dann macht Er es zu Krümeln. Siehe, hierin ist wahrlich eine Mahnung für die Verständigen. (Sure az-Zumar, 21)
Dieser wichtige Punkt wird deutlich, wenn man die Feinheiten der Glaubensbeweise näher erläutert. Wenn ein Mensch die vielen Beweise für die Schöpfung und deren Perfektion erkennt, während sie überall um ihn herum zu sehen sind, ohne zuvor wahrgenommen zu werden, so ist dies sehr wirksam, um die Sorglosigkeit dieses Menschen zu zerstreuen. Wenn einige Gottesbeweise, an deren Ansicht sich die meisten gewöhnt haben und über die kaum jemand sich die Mühe machen würde nachzudenken, in den Blickwinkel gerückt würden, so würde dies die Gewissen erwecken und den Unglauben mit seinen eitlen Versuchungen zerschlagen.
Das erste, was einer Person, die auf die Stimme ihres Gewissen im Angesicht eines Gottesbeweises einfällt ist, dass dieser nicht durch Zufall oder von selber entstanden sein kann. Sie wird verstehen, dass über all dem eine höhere Macht steht, nämlich Gott und wird an ihn glauben.
Gottesbeweise vertiefen den Glauben
Gottesbeweise sind nicht nur für diejenigen wichtig, die nicht an Gott glauben, sondern vertiefen auch den Glauben derer, die gottesfürchtig sind. Gott betont im Quran die Wichtigkeit der Gottesbeweise und befielt den Gläubigen über die Beweise, die er in der Natur erschaffen hat, nachzudenken.
Ein frommer Muslim wird nicht nur beten, fasten und die anderen religiösen Handlungen vollziehen, sondern gleichzeitig auch tiefe Reflexion kennen. Tiefes Nachdenken über die erschaffenen Beweise „in den Himmeln und auf Erden“, wie der Quran es vorsieht, steigert den Glauben des Gottesfürchtigen und ist Anlass diesen Glauben auf festes Wissen zu stützen. In einem Quranvers lässt uns Gott folgendes über die Beweise auf Erden und eine solide Bildung wissen:
Auf der Erde sind fürwahr Zeichen für die im Glauben Festen. Und auch in euch selber - seht ihr (sie) denn nicht? (Sure adh-Dhariyat, 20-21)
In dem Vers wird offensichtlich, dass die Gottesbeweise innerhalb des Menschen und auf Erden Anlass für einen Glauben sind, der auf Bildung beruht. Ein auf fundiertes Wissen gestützter Glaube steigert die Ehrfurcht vor Gott und daher werden Gottes Gebote und Gesetze besonders bewusst und sorgfältig erfüllt. Jeder, der tiefe Überlegungen über die Beweise der Schöpfung anstellt, wird seine religiösen Pflichten andächtig erledigen, denn er hat eindeutige Belege dafür, dass Gott sein Handeln beobachtet und ihn im Gegenzug für sein gutes Tun belohnen wird. Genauso kennt Gott auch den kleinsten begangenen Fehler. Diesen tadelt er und versucht den Menschen davon abzubringen.
Gott wendet sich im Quran folgendermaßen an die Gläubigen:
O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Gott und sucht, Ihm Nähe zu kommen, und strengt euch auf Gottes Weg an, damit es euch wohlergeht. (Sure al-Ma’ida, 35)
Dem Vers kann man entnehmen, dass diejenigen, die sich auf die Suche nach einem Weg zu Annäherung an Gott begeben haben, einen Weg zur Befreiung gefunden haben. So sind die Gottesbeweise für einen Gläubigen ein Mittel, das ihnen die Existenz und Eigenschaften Gottes näher bringt und verständlich macht und dank dem sie noch näher zu Gott gelangen können. Wenn man beispielsweise die von Gott erschaffenen Kreaturen beobachtet, ihre perfekte Struktur und ihre Systeme betrachtet und darüber nachdenkt, so wird man dadurch Zeuge von Gottes unendlicher Wissenschaft und Macht.
Zum Beispiel: Ein Mensch, der mehr über den unvergleichlichen Aufbau seines Körpers erfährt, wird dies als offenen Beweis für die Existenz und Kunst Gottes betrachten und verstehen, dass alles, einschließlich seines eigenen Körpers, das Werk Gottes ist und Er alles zu jeder Zeit kontrolliert. Gleichzeitig kommt er Gott noch näher, wenn er seine eigene Schwäche bemerkt. Weil man sich Gott näher fühlt, versucht man noch mehr Seine Anerkennung und Gnade zu erhalten. Zum Beispiel: Vielleicht wird man versuchen seine Freizeit jetzt dafür zu verwenden, das Wohlgefallen Gottes zu gewinnen und seine religiösen Pflichten noch eifriger zu erfüllen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Gottesbeweise eine wichtige Rolle dabei spielen, den Übergang von einem oberflächlichen, imitierten Glauben zu einem gelebten (auf Wissen basierenden, unerschütterlichen) Glauben zu finden.
Gottesbeweise zerschlagen
die Suggestionen des Unglaubens
In unserem Zeitalter bemühen sich die Atheisten und religionsfeindliche Strömungen, den Menschen vom Glauben an die Existenz und Einheit Gottes abzubringen. Dagegen hat Gott den Gläubigen, um die verdrehten und abtrünnigen Philosophien der Leugner zu zerstreuen, die Beweise an die Hand geliefert. Die wichtigsten Belege sind dabei die Gottesbeweise.
Der größte Irrweg, welchen die Leugner Gottes hervorgebracht haben, besteht darin, dass sie behaupten, alles belebte und unbelebte wäre durch Zufall entstanden. Um die eitlen Versuchungen, die von den Leugnern verbreitet werden zu zerstören und die Schöpfungswunder, die von ihnen verdeckt werden, ans Tageslicht zu befördern, müssen die Gottesbeweise im Licht der modernen Wissenschaften untersucht und dem Menschen nahe gebracht werden. Die Menschen, die den perfekte Aufbau der Lebewesen, die überragenden Systeme des Kosmos und die unzähligen empfindlichen Gleichgewichte gewissenhaft betrachten, verstehen, dass all dies sich niemals aus Zufall entwickelt haben kann, sondern Gott als erhabene Macht all dies erschaffen haben muss. So wird der „Zufall“, wie ihn die Leugner in ihren Thesen verbreiten, wie im Vers „...Gekommen ist die Wahrheit und vergangen das Falsche. Das Falsche ist fürwahr vergänglich." (Sure al-Isra, 81) verschwinden.
Außerdem sollten wir beachten, dass ein Mensch, der nichts über die Gottesbeweise weiß, den gottlosen Verführungen im höchsten Maße schutzlos ausgeliefert ist. Es gibt dafür unzählige Beispiele. Wenn wir die jüngste Vergangenheit betrachten, so zeigt sich, dass viele Menschen, die konservativen Familien entstammen und in ihrer Kindheit eine religiöse Erziehung genossen haben, während ihrer Schul- oder Studienzeit ihren Glauben schnell einbüßen, wenn sie in ihrer Umgebung einige ihrer Freunde samt deren Versuchungen erleben. Der Grund dafür ist, dass die Atheisten ihren eitlen Glauben mit „Vernunft und Wissenschaft“ ausschmücken. Sie stellen sich so dar, als würden sie alles über die Natur und das Universum wissen, als hätten sie die Gesetze des Lebens verstanden und die Wahrheit gefunden. Das kann jemanden mit konservativen Wurzeln, der jedoch nichts über die Gottesbeweise weiß und daher keinen „gefestigten“, also auf festen Informationen beruhenden Glauben hat, beeinflussen und beirren.
Ein Mensch jedoch, der die Gottesbeweise kennt, kann die Irrungen und Betrügereien der Atheisten leicht aufdecken und deren Theorien zu Fall bringen. Das nutzt nicht nur ihm selber, sondern auch den Menschen in seiner Umgebung. Weiß man nichts über die Gottesbeweise, so ist man den Irrungen der Atheisten schutzlos ausgeliefert. Das Wissen darum allerdings, macht den religiösen Menschen stark gegenüber den ungläubigen Philosophien.
Durch die Gottesbeweise kann man
Gott die Achtung erweisen, die Ihm zusteht
Indem man über die Gottesbeweise reflektiert und die Eigenschaften Gottes erkennt, die sich darin widerspiegeln, lernt man Gott viel besser und näher kennen. Die Menschen, die beginnen Gott besser kennen zu lernen und überall und jederzeit Seine Offenbarungen sehen, können dank dieser Eigenschaft Gottes Macht besser einschätzen.
Zum Beispiel: Ein Mensch, der vertieftes Wissen über die Gottesbeweise hat und intensiv darüber nachgedacht hat, kann folgende Wahrheit sehr viel besser verstehen. Gott weiß alles und kontrolliert alles, was die Milliarden von Menschen, die auf der Erde leben in jedem Moment tun. Die Trillionen von Zellen innerhalb eines Körpers, die Milliarden von menschlichen Körpern auf der Erde und aller Lebewesen im Universum, können entstehen und leben, weil Gott dies so wünscht. Jede Bewegung passiert durch den Willen Gottes und wird von Ihm kontrolliert. Um ein solches System aufrechterhalten zu können, bedarf es unbegrenzter Macht und Wissen, nicht enden wollenden Verstandes und Geisteskraft. Wenn man darüber reflektiert, so erkennt man die endlose Macht Gottes und kann aus nächster Nähe Seine enormen Eigenschaften bezeugen.
Nachdem Gott uns im Quran selbst eine winzige Fliege als Beispiel für einen Gottesbeweis geliefert hat, wendet Er sich an all jene, die dieser Wahrheit gegenüber blind sind und die Macht Gottes nicht erkennen können:
O ihr Menschen! Ein Gleichnis ist für euch geprägt worden; so hört es: Siehe jene, die ihr neben Gott anruft, nie können sie jemals eine Fliege erschaffen, selbst wenn sie sich zusammentun. Und wenn ihnen die Fliege etwas raubte, könnten sie es ihr nicht wegnehmen. Schwach sind der Bittende und der Gebetene. Sie schätzen Gott nicht in Seiner wahren Bedeutung ein. Seht, Gott, ist wahrlich der Starke, der Mächtige. (Sure al-Hadsch, 73-74)
In einem anderen Vers des Quran ist von denjenigen die Rede, die nicht über die Gottesbeweise reflektieren und es heißt, dass diese Menschen keine Ehrfurcht vor Gott haben.
Sprich: "Wer versorgt euch vom Himmel und von der Erde her? Oder wer hat Gewalt über Gehör und Gesicht? Und wer bringt das Lebendige aus dem Toten hervor und das Tote aus dem Lebendigen? Und wer führt den Befehl?" Wahrlich, sie werden sagen: "Gott!" So sprich: "Wollt ihr Ihn dann nicht fürchten?" Dieser Gott, das ist euer wahrer Herr. Und was anderes bliebe ohne die Wahrheit als der Irrtum? Wie könnt ihr nur so widersinnig sein? (Sure Yunus, 31-32)
Wie sich aus den Versen ergibt, sollte die Erforschung und das Erfahren der Gottesbeweise, ein Nachdenken über deren Wahrheit bedeuten, so dass gefestigtes Wissen darüber erlangt wird, dass Gott zu jeder Zeit über alle belebten und unbelebten Existenzen verfügt und sie kontrolliert. Wenn man dieses Verständnis erlangt hat, überlässt man sich voll und ganz Gott. Ein gläubiger Muslim, der das komplizierte System im Inneren seines Körpers sowie dessen fragiles Gleichgewicht kennt und darüber reflektiert, versteht ohne Zweifel, dass der Verstand, der diese Systeme betreibt, nicht dem Körper eigen sein kann. Er weiß, dass das, was er als seinen Körper bezeichnet, eine Ansammlung von Zellen ist, die sich aus Atomen zusammensetzen, welche weder Bewusstsein, Sinnesorgane noch die Fähigkeit zu denken haben. Am Ende dieser Überlegungen wird der Mensch zu der Überzeugung gelangen, dass jede einzelne Zelle im Körper, ja sogar jedes einzelne Atom, auf den Befehl und den Wunsch Gottes hin agiert. Er versteht, dass nichts und zu keiner Zeit dem Zufall oder Glück überlassen ist.
Lediglich wissende Menschen erlangen
die notwendige Ehrfurcht vor Gott
Wer sich mit den Gottesbeweisen beschäftigt und lange darüber nachdenkt, häuft mit der Zeit intensives Wissen an. Menschen, die über dieses Wissen verfügen, werden wie bereits zuvor erwähnt im Quran als „in die Wissenschaft vertieft“ oder „Wissensträger“ bezeichnet. Die Wissensträger sind überall umgeben von den Gottesbeweisen und erkennen Gott überall. Sie können bezeugen, dass es keinen Gott außer Ihm gibt:
Bezeugt hat Gott - und auch die Engel und die Wissenden -dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Wahrer der Gerechtigkeit. Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Erhabenen, dem Weisen. (Sure Al-Imran, 18)
Alle Wissenden sehen überall an sich und in der Umgebung die Offenbarungen Gottes. Zum Beispiel: Ein Wissender, der Kenntnis darüber hat, dass eine kleine Ameise ihre Aufgaben in der Kolonie ohne sich davon abbringen zu lassen, zuverlässig und sorgfältig erfüllt und beim Transport von Nahrung in den Bau einem perfekten Plan und Arbeitssystem folgt, wird in jeder Ameise, die er sieht, den erhabenen Verstand und die Weisheit Gottes erkennen.
Indem sie intensiv über die Gottesbeweise nachdenken, lernen die Wissenden Gott näher kennen und können den Umfang der Macht und der Stärke Gottes besser begreifen. Ein wissender Mensch ist sich der Macht und Kraft Gottes bewusst. Lediglich diejenigen, welche kein Wissen um die Gottesbeweise haben, glauben, dass es ausreicht zu sagen „Wie schön hat Gott ihn erschaffen", wenn ein Vogel an ihnen vorbei fliegt. Die Wissensträger allerdings kennen den komplizierten Aufbau der Federn, wissen, dass die Vögel weniger Energie verbrauchen, weil sie in Form eins „V“ fliegen und dass die Flügel so erschaffen wurden, dass sie zum Fliegen geeignet sind. Kurz gesagt, sie sind sich bewusst, dass Gott den Vogel nach einem erhabenen Plan erschaffen hat, der von der Fähigkeit zu fliegen über die Vermehrung bis hin zur Farbe der Flügel alles umfasst. Solchen Menschen reicht es auch aus, wenn sie ein Neugeborenes sehen zu sagen „Was für ein schönes Baby. Möge Gott ihm ein langes Leben schenken.“ Natürlich ist es lobenswert, wenn ein Mensch sich an Gott erinnert, sobald er ein kleines Kind betrachtet. Doch noch schöner und tiefsinniger ist es, an alle Entwicklungsstufen des Kindes zu denken, sich daran zu erinnern, dass Gott diese erschaffen hat und Gott dafür zu danken. Denn die Wissenden bedenken all die Entwicklungsstufen, welche dieses Baby durchlaufen hat, bevor es auf die Welt kam und auch das Wunder, das darin verborgen liegt. Sie betrachten es als außerordentlich, dass eine einzige Spermienzelle die so weit entfernte Eizelle erreichen konnte und zwei Zellen aus unterschiedlichen Körpern sich miteinander verbinden können und mit der Zeit ein sehender, hörender und denkender Mensch entsteht. Wenn sie über diese perfekte Kunst der Schöpfung nachdenken, so steigt ihr Glauben an die Macht und Wissenschaft Gottes. Gleichzeitig steigt mit jeder Offenbarung Gottes und dessen Eigenschaften im Wissenden die Erfurcht vor Gott. Denn wie wir bereits zuvor bemerkt haben, lehrt der Quran die Wissenden über diese Besonderheit die folgenden Worte:
... (Es gibt) auch Menschen, Tiere und Vieh von unterschiedlicher Farbe. Aber nur die Wissenden unter Seinen Dienern fürchten Gott. Gott ist fürwahr mächtig, verzeihend. (Sure al-Fatir, 28)
Die Wissenden werden so mit den erhabensten Eigenschaften gelobt. Alle gläubigen Muslime sollen sich darum bemühen, den Rang dieser Wissenden, die im Quran gelobt werden, zu erreichen. Dafür müssen sie alles was sie erleben und jede einzelne Existenz, der sie begegnen, als einen Gottesbeweis betrachten und darüber intensiv nachdenken.
Gottesbeweise öffnen den gedanklichen
Horizont des Menschen
Die Gottesbeweise erfahren, darüber nachdenken, sowie ihre Weisheiten und Details zu begreifen, liefert einen bedeutenden Beitrag dabei, den geistigen Horizont eines Menschen zu erweitern.
Heutzutage leben die Menschen in der erstickenden Atmosphäre der Großstädte ein eintöniges und monotones Leben. Sie können die Gottesbeweise, die Gott allerorten erschaffen hat, nicht sehen und selbst wenn sie sie erkennen, nicht wahrnehmen. Doch für einen Gläubigen ist alles ein Gottesbeweis. Alles Beseelte und Unbeseelte, das auf Erden und im Universum existiert, wird von einem Menschen, der dieses Wissen erlangt hat, als Gottes Schöpfung betrachtet. Für einen gläubigen Muslim sind beispielsweise auch Nichtgläubige ein Gottesbeweis. Denn Gott hat uns über den Quran wissen lassen, dass es auch solche geben wird. Außerdem sorgt die Tatsache, dass wenngleich Gottes Existenz offensichtlich ist und einige dennoch nicht an ihn glauben dafür, dass die Ehrfurcht des Gläubigen vor Ihm noch steigt und die Dankbarkeit für seinen Glauben steigt. Man sollte nicht nur die Bäume, Blumen und Lebewesen mit ihren erstaunlichen Eigenschaften als Gottesbeweise betrachten. Auch Dinge, die das Leben vereinfachen, wie Fahrzeuge, Mobiltelefone oder Computer sind jedes für sich ein Gottesbeweis, den Gott uns erschaffen hat. Der Gläubige weiß, dass diese Dinge mit Erlaubnis Gottes entstanden sind und dankt Ihm, dass Er ihnen den Alltag auf diese Art vereinfacht.
Wo immer wir auf angespanntes, hasserfülltes, verdrossenes, unbedachtes, grobes oder respektloses Verhalten stoßen, so stammt dies von Menschen, die keine Ahnung von Gottes Schöpfung haben. Menschen aber, die die Glaubensbeweise betrachten und darüber nachdenken, reifen und vertiefen ihre Moral.
Denjenigen, die diese moralische Tiefe und dieses Verständnis nicht aufbringen und die ausschließlich in ihrem engen Horizont und Logik verfangen sind, zeigt Gott im Quran die „Beduinen“ als Beispiel. Die Beduinen haben zu Lebzeiten unseres Propheten im Gegensatz zu den Arabern nicht in Städten, sondern als Nomaden gelebt. Während die Araber in Städten wohnten und Literatur und Ästhetik kannten, waren die Beduinen ungebildet, grob und rau. So eine Natur ist für das Verstehen der Religion und das Leben ein großes Hindernis. Daher hat Gott im Quran den Beduinen folgendes befohlen:
Unter den arabischen Beduinen sind manche (besonders) verstockt in Unglauben und Heuchelei. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie die Vorschriften, welche Gott auf Seinen Gesandten hinabgesandt hat, nicht kennen. Und Gott ist wissend und weise. (Sure at-Tauba , 97)
Der „Charakter der Beduinen“, steht für Unwissenheit, Gedankenlosigkeit und Grobheit. Um diesen Charakter zu heilen, muss der Mensch intensiv an sich arbeiten, um in der Lage zu sein, die erhabene Kunst und Weisheit in Gottes Schöpfung zu erkennen. Eine der Grundlagen dieser Kultur besteht darin, dass Gott möchte, dass wir die Gottesbeweise erforschen, darüber lernen, nachdenken und sie bewerten. In einem Vers wird den Muslimen diese Eigenschaft folgendermaßen beschrieben:
Die da Gottes gedenken im Stehen und Sitzen und Liegen und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken: "Unser Herr, Du hast dies nicht umsonst erschaffen! Preis sei Dir! Bewahre uns vor der Feuerspein! (Sure Al-Imran, 191)
Zusammenfassung: Die Gottesbeweise sind ein Mittel,
um die Gnade Gottes, das Paradies und das Jenseits zu erlangen
Wir haben bisher verschiedene Methoden erfahren, wie der Mensch durch die Gottesbeweise Gott näher kennen lernen und zum Glauben finden kann. Außerdem haben wir darüber gesprochen, dass der Glauben der Gottesfürchtigen noch gesteigert wird und sie eine nicht zu erschütternde Frömmigkeit erfahren. Wenn der Gläubige die Gottesbeweise studiert und darüber intensiv nachdenkt, so erlangt er dadurch eine noch größere Ehrfurcht vor Gott. Dadurch kann er die Gebote und Verbote Gottes leichter und bewusster befolgen. Daher sind sie ein Mittel, die Gnade Gottes zu erlangen. Die Gnade Gottes besteht in Wohltaten wie dem Heil, Segen, Schönheit und Verstand, der Verleihung von Wissenschaft und Weisheit, Friede, Freude und Glück. Im Jenseits warten die Errettung aus den Qualen der Hölle, die endlosen Freuden des Paradieses und die ständige Anerkennung Gottes.
Die Freuden des Paradieses messen sich auch an der Tiefe des Glaubens. Daher sind auch diejenigen gläubigen Muslime im Paradies mit Gottes Erlaubnis höher gestellt, die sich in die Gottesbeweise vertieft haben, Gottes unendliche Eigenschaften direkt bezeugen und verfestigtes Wissen erlangt haben und dadurch einen unerschütterlichen und erhabenen Glauben erlangt haben. (Gott kennt die Wahrheit.)
Gläubige, die die Gottesbeweise untersuchen und erfahren, werden mit Gottes Willen im Paradies für ihr tiefes Nachdenken und ihre Ehrfurcht vor Gott im Paradies auf höchste Art und Weise belohnt.
Siehe, nur das sind Gläubige, deren Herzen in Furcht erbeben, wenn Gott genannt wird, und deren Glauben wächst, wenn ihnen Unsere Verse vorgetragen werden, und die auf Gott vertrauen, die das Gebet verrichten und von dem spenden, was Wir ihnen bescherten. Das sind die wahren Gläubigen. Ein hoher Grad an Wertschätzung ist ihnen bei ihrem Herrn bestimmt sowie Verzeihung und großzügige Versorgung. (Sure al-Anfal, 2-4)
mardi 23 mars 2010
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